30.01.2019 Mittwoch  Öffentliche Infoveranstaltung zu den Gefahren auf dem Eis

Jan-Hendrik Müller erläutert die speziellen Gefahren eines Kinderwagens auf dem Eis. Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Jan-Hendrik Müller erläutert die speziellen Gefahren eines Kinderwagens auf dem Eis. Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Die Gefahren auf dem Eis zählen zu den unterschätztesten Gefahren eines jeden Winters. Immer wieder wird von begeisterten Wintersportlern oder Spaziergängern die Tragfähigkeit einer Eisdecke auf einem See, Teich oder Fluss unterschätzt. Die Folge: Personen oder Tiere brechen in das Eis ein.
Um auf diese Gefahren aufmerksam zu machen und auch Verhaltenstipps im Unglücksfall zu geben, veranstaltete die Ortsgruppe Fallingbostel der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) vergangenes Wochenende eine öffentliche Infoveranstaltung ‚Gefahren auf dem Eis‘.

Einige Zuschauer verfolgten die Veranstaltung im Strandbad Düshorn. Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Einige Zuschauer verfolgten die Veranstaltung im Strandbad Düshorn. Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Beim Blick auf das Thermometer und den Wetterbericht war Jan-Hendrik Müller, technische Leiter Einsatz der Ortsgruppe, schnell klar: Man müsse die gute Bedingungen für eine Eisrettungsübung nutzen. Schnell wurde die Unterstützung des Teams des Strandbad Düshorn e.V. gewonnen. Das Strandbad bot mit einer geschlossenen Eisdecke im Bereich des Schwimmbeckens perfekte Bedingungen für die Vorführung. Am Sonntag hatte das Eis trotz einsetzendem Tauwetter immer noch eine Stärke von 6,5 Zentimetern und war somit optimal für die Übung geeignet.

Bei nasskaltem Wetter, typischen „Wasserrettungs-Wetter“, hatten sich einige Zuschauer im Strandbad Düshorn eingefunden. Kurzerhand wurden die wichtigsten Eisregeln durch die DLRGler vermittelt: So solle man nie alleine und nur auf extra dafür freigegebene Eisflächen gehen. „Generell“, informierte Jan-Hendrik Müller, „reiche erst eine durchgehende Eisstärke von mindestens 15 Zentimetern bei stehenden Gewässern und mindestens 20 Zentimetern bei fließenden Gewässern aus, um diese zur sicheren Begehung freigeben zu lassen.“

Besprechung vor der Veranstaltung: Die Helfer vom DRK und der DLRG stimmen sich ab. Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Besprechung vor der Veranstaltung: Die Helfer vom DRK und der DLRG stimmen sich ab. Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Jedes Eis sende außerdem Signale: Wo dunkle Stellen im Eis erkennbar sind oder es knistert und knackt gilt: Das Eis ist zu dünn oder bereits angebrochen, es besteht die Gefahr einzubrechen, Lebensgefahr! In diesem Fall solle man die Eisfläche verlassen – und zwar auf dem Weg, auf dem man auf die Eisfläche gekommen ist. Zusätzlich empfiehlt es sich, sich flach hinzulegen, um das Gewicht zu verteilen und sich in Bauchlage in Richtung Ufer zu bewegen.

Manfred Grünau von den Düshorner Eisbären wagte den Selbstversuch unter Anleitung eines Retters der DLRG. Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Manfred Grünau von den Düshorner Eisbären wagte den Selbstversuch unter Anleitung eines Retters der DLRG. Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Nach der kurzen theoretischen Einweisung bekamen die Zuschauer Selbstrettungstechniken für den Unglückfall von den mit Neoprenanzügen geschützten Helferinnen und Helfer der Ortsgruppe vorgeführt. Die Wasserretter stiegen - gesichert an einem Seil - in das zuvor herausgeschnittene Loch im Eis und zwangen sich unter Anwendung bestimmter Bewegungen aus eigener Kraft zurück auf das Eis. Wichtigste Grundregel für die eingebrochene Person sei hierbei, Ruhe zu bewahren, sich möglichst wenig zu bewegen und die Arme am Körper zu halten.

Für Ersthelfer die auf eine ins Eis eingebrochener Person zukommen hatte Jan-Hendrik Müller einfache Tipps parat: „Reden Sie mit der Person und setzten Sie schnellstmöglich den Notruf unter der 112 ab!“ Unter der Zuhilfenahme eines länglichen Gegenstandes, beispielsweise eines Schaals, einer Jacke, eines Astes, eines Besens oder einer Abschleppstange aus dem Auto solle anschließend versucht werden, die verunglückte Person zu erreichen, führte er weiter aus. „Wenn dies vom Ufer aus nicht möglich ist, versuchen Sie in die Nähe des Loches - aber nicht bis an die Bruchkante heran - zu kommen – wieder in Bauchlage, um das eigene Gewicht zu verteilen.“

Rettung und Bergung des Kinderwagens aus dem Eis. Foto: Kim-Marek Albrecht

Rettung und Bergung des Kinderwagens aus dem Eis. Foto: Kim-Marek Albrecht

Zum Abschluss der Veranstaltung konnten die Lebensretter der Ortsgruppe noch diverse Durchgänge einer Eisrettungsübung erproben. Spektakulär war hierbei der simulierte Einbruch eines Kinderwagens mit menschenähnlicher Puppe. Dieser gehe zwar nicht zwangsläufig direkt unter, stürze aber nahezu immer kopfüber und drücke somit das Kind unter Wasser. „Gehen Sie mit einem Kinderwagen oder einem Rollstuhl nie auf eine Eisfläche“, warnte Jan-Hendrik Müller deshalb.

Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Nachdem die Veranstaltung vorbei war und sich die engagierten eingesetzten Helferinnen und Helfer im extra vom Team des Strandbad Düshorn e.V. vorbereiteten Wärmeraum wieder aufwärmten, nutzen Einsatztaucher der Ortsgruppe die Gelegenheit, das Eistauchen zu trainieren.

Ohne die großartige Unterstützung des Strandbad Düshorn e.V. wäre diese Veranstaltung in dem Umfang nicht möglich gewesen. Zusätzlich wurde die Infoveranstaltung vom DRK Kreisverband Fallingbostel unterstützt, der einen Rettungswagen für den Ernstfall stellte sowie seinen ferngesteuerten Kamera-Hexacopter, der über eine Wärmebildkamera verfügt, testete.

Bei den abschließenden Durchgängen von Eisrettungsübungen erprobten die Wasserretter den Ernstfall. Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Bei den abschließenden Durchgängen von Eisrettungsübungen erprobten die Wasserretter den Ernstfall. Foto: DLRG Fallingbostel (Jens Möhrmann)

Zur einfachen Übersicht hat die DLRG die wichtigsten Regeln für das Verhalten auf einer Eisfläche als Piktogramme zusammengestellt. Die Grafik zum Download als Plakat oder Postkarte gibt es ebenso wie weitere Informationen auf der Seite der DLRG-Stiftung im Altkreis Fallingbostel unter https://stiftung-fallingbostel.dlrg.de

Weitere Bilder sind in der Galerie zu sehen - Dafür bitte auf eins der Bilder klicken und nach rechts oder links klicken.

Kategorie(n)
Einsatzsparte

Von: Henning Fisser

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